Aktuelles
75. Hessischer Schützentag - Delegiertenversammlung - Ein Jubiläum im Zeichen von Tradition und Zukunft
Traditioneller Auftakt und feierliches Gedenken
Pünktlich um 09:30 Uhr eröffnete Präsidentin Tanja Frank die Versammlung und hieß die Delegierten sowie die zahlreich erschienenen Ehrengäste willkommen. Der Auftakt stand ganz im Zeichen der Tradition: Unter den Klängen der Schützenkapelle Finsternthal-Hunoldstal erfolgte der festliche Fahneneinmarsch, der die Verbundenheit der einzelnen Vereine mit dem Landesverband optisch eindrucksvoll untermauerte. Ein Moment des Innehaltens folgte bei der anschließenden Totenehrung. Während die Kapelle das Lied vom guten Kameraden intonierte, gedachten die Anwesenden der verstorbenen Mitglieder.
Politische Wertschätzung und kommunale Gastfreundschaft
In seinem Grußwort hob der Usinger Bürgermeister Steffen Wernard die Bedeutung des Schützenwesens für die Region hervor. Er dankte den Verantwortlichen des Hessischen Schützenverbandes ausdrücklich für das entgegengebrachte Vertrauen, den Hessischen Schützentag bereits zum vierten Mal in der mittelgroßen Stadt Usingen auszurichten. Wernard betonte, dass eine Veranstaltung dieser Größenordnung nur durch das unermüdliche Engagement der Ehrenamtlichen in den Vereinen realisierbar sei. Für ihn persönlich markierte dieser Tag auch das Erreichen eines wichtigen Ziels seiner Amtszeit, wobei er den Blick bereits nach vorne richtete, und den Wunsch äußerte, künftig auch den Hessentag nach Usingen zu holen.
Die Grüße der hessischen Landesregierung überbrachte Professor Dr. Jan Hilligardt, Regierungspräsident von Darmstadt. Er unterstrich das Interesse des Landes an einem funktionierenden Schützenwesen und erklärte: „Wir sind daran interessiert, dass sie ihren Sport und ihr Hobby gut und sicher ausüben können.“ Hilligardt verwies in diesem Zusammenhang auf die Rolle der Verwaltungsbehörden als Genehmigungs- und Kontrollinstanzen für das Waffenrecht und betonte, dass man an einer konstruktiven und positiven Zusammenarbeit mit den Vereinen interessiert sei. Mit Vorfreude blickte er zudem auf die kommenden Jahre, da der Hessische Schützentag auch 2027 im Regierungsbezirk Darmstadt, dann in Bürstadt im Hessischen Ried, zu Gast sein wird.
Historische Wurzeln und tatkräftige Nachwuchsförderung
Hans-Heinrich von Schönfels, der in der Doppelfunktion als Präsident des Deutschen Schützenbundes (DSB) und Ehrenpräsident des Hessischen Schützenverbandes sprach, erinnerte an die tiefe historische Verwurzelung des hessischen Schießsports auf Bundesebene. Er stellte fest, dass das deutsche Sportschießen dem hessischen Verband viel zu verdanken habe. So sei mit Paul Wehner bereits der erste DSB-Präsident ein Hesse gewesen, und Hessen habe als erster Landesverband ein modernes Landesleistungszentrum etabliert. Auch der heutige Sitz des DSB am Olympiastützpunkt Wiesbaden/Frankfurt am Main gehe auf die Initiative des Hessen Georg von Opel zurück, der den Verband von 1957 bis 1971 führte. Um die Zukunft des Sports zu sichern, übergab von Schönfels ein Luftgewehr, einen Bogen sowie einen Gutschein für Schießsportbekleidung der Firma Sauer an den Landesjugendleiter Stefan Rinke, der sich für diese großzügige Unterstützung der Nachwuchsarbeit bedankte.
Sportvereine als Ankerpunkte der Gesellschaft
Die Präsidentin des Landessportbundes Hessen, Juliane Kuhlmann, rückte die gesellschaftliche Relevanz der Vereine in den Fokus ihrer Ansprache. Sie betonte die stabilisierende Funktion des Sports in herausfordernden Zeiten: „Die aktuellen Krisen wirken bis in unsere Vereine hinein. Gerade in dieser Zeit sind Orte wichtig, die Verlässlichkeit vermitteln. Solche Orte sind unsere Sportvereine.“ Kuhlmann konnte berichten, dass der organisierte Sport in Hessen im vierten Jahr in Folge ein Wachstum verzeichne, wofür der Hessische Schützenverband ein hervorragendes Beispiel sei. Dieser Erfolg basiere maßgeblich auf der engagierten Jugend- und Nachwuchsarbeit in den Vereinen, die fast ausschließlich ehrenamtlich geleistet werde. Damit diese Arbeit auch in Zukunft auf solidem Fundament stehe, forderte sie intakte und moderne Sportstätten und ermutigte die Vereine, Fördermittel aus dem Sondervermögen des Bundes für Sanierungen und Erweiterungen zu beantragen.
Abschließend überbrachte Maik Hollmann die Grüße der Schießsport-Landesverbände und schlug den Bogen zur gesamtgesellschaftlichen Bedeutung des Schützenwesens. Er definierte die drei Säulen, auf denen die Gesellschaft in Deutschland ruhe: Demokratie, Gemeinschaft und das Ehrenamt. All diese Werte würden durch die Schützenvereine repräsentiert und gelebt. Mit den besten Wünschen für das 75-jährige Jubiläum und den weiteren Verlauf des Schützentages leitete er zum nächsten Programmpunkt über.
Würdigung des Ehrenamtes und symbolische Staffelübergabe
Im direkten Anschluss an die feierlichen Grußworte rückte Präsidentin Tanja Frank das Fundament des Verbandes in den Mittelpunkt: das ehrenamtliche Engagement vor Ort. Sie bat Jens Krüger, den Bezirksschützenmeister des Schützenbezirks Hochtaunus, sowie Niklas Schnieders, den Vorsitzenden des Schützenvereins Usingen, auf die Bühne des Christian-Wirth-Saals. Stellvertretend für die zahlreichen Helferinnen und Helfer im Hintergrund dankte die Präsidentin den beiden für ihren unermüdlichen Einsatz, der die Ausrichtung dieses Jubiläums-Schützentages erst ermöglicht hatte. Frank betonte in ihrer Laudatio, dass eine Veranstaltung dieser Größenordnung ohne die vielen fleißigen Hände und die organisatorische Vorarbeit im Bezirk und im gastgebenden Verein nicht denkbar wäre. Als sichtbares Zeichen der Anerkennung und des Dankes seitens des Landesverbandes überreichte sie Krüger und Schnieders die Präsidentinnen-Medaille des Hessischen Schützenverbandes.
Nach dieser Ehrung der lokalen Organisatoren folgte ein symbolträchtiger Moment, der den Blick bereits auf die Zukunft richtete. Der Usinger Bürgermeister Steffen Wernard übergab offiziell eine Fahne des Hessischen Schützenverbandes an seinen Amtskollegen Boris Wenz aus Bürstadt. Damit wurde die Gastgeberschaft für das kommende Jahr förmlich besiegelt. Boris Wenz nutzte die Gelegenheit, um im Namen der südhessischen Stadt Bürstadt eine herzliche Einladung zum 76. Hessischen Schützentag 2027 auszusprechen, der im Hessischen Ried stattfinden wird. Er sprach dem Präsidium des Verbandes seinen Dank für das entgegengebrachte Vertrauen aus und hob zudem die Bedeutung des Pfeil- und Bogenclubs Bürstadt hervor, der maßgeblich an der Ausrichtung beteiligt sein wird. Mit den Worten: „Kommen Sie nach Bürstadt, erleben Sie unsere herzliche Gastfreundschaft. Wir freuen uns auf Sie!“, unterstrich er die Vorfreude seiner Heimatstadt auf das kommende Großereignis.
Hochrangige Auszeichnungen für langjährige Verdienste
Der festliche Rahmen der Delegiertenversammlung bildete im weiteren Verlauf die Bühne für insgesamt rund 70 Ehrungen verdienter Persönlichkeiten des Schützenwesens. Den Auftakt machten Tanja Frank und die Präsidentin des Landessportbundes Hessen (LSBH), Juliane Kuhlmann, mit den Auszeichnungen des Dachverbandes. Als höchste Würdigung des LSBH wurde die Ehrennadel in Bronze an Hartmut Guckes und Norbert Baumann verliehen. Weiterhin erhielten Monika Vöhl, Michael Kratz und Marina May die Verdienstnadel des Landessportbundes, während Birgit Alberding und Michael Prokisch mit der Ehrenurkunde gewürdigt wurden.
Im Bereich der Auszeichnungen durch den Deutschen Schützenbund (DSB) stellte die Verleihung des Ehrenkreuzes in Gold der Sonderstufe einen besonderen Höhepunkt dar. Diese prestigeträchtige Auszeichnung ging an Dr. Bernd Arno Nikolaus, den Bezirksschützenmeister des Schützenbezirks 36 Rhein-Main-Modau. Ebenfalls geehrt wurde Birgit Sczeburek, Bezirksschützenmeisterin des Bezirks 30 Main-Kinzig, die das Ehrenkreuz des DSB in Gold entgegennehmen durfte. Die goldene Medaille am grünen Band des Deutschen Schützenbundes, eine Auszeichnung für besondere Verdienste um die Förderung des Schießsports, erhielten Klaus-Jürgen Hensel, Frank Hochberger, Werner Wabnitz, Markus Weber, Thomas Scholl und Frank Sczeburek.
Breite Anerkennung über alle Verbandsebenen
Die Riege der DSB-Ehrungen setzte sich mit dem Ehrenkreuz in Silber fort. Hiermit wurden Wolfgang Fromm, Andre Weigel, Marina May, Konrad Hackel, Gerhard Homrighausen, Herbert Scholl, Bernd Lenz, Wolfgang Benndorff, Mario Hartmann, Gerd Seyler, Willy Seyler und Klaus-Peter Wichelmann für ihr langjähriges Wirken ausgezeichnet. Das DSB Ehrenkreuz in Bronze erhielten Helmut Lind, Thomas Reinbold, Karsten Meiser, Manfred Zemke, Frank Döhring, Sebastian Dänner, Stefan Kopytto, Edgar Hohmann, Ralf Ruth, Ralph Siegel, Ditmar Radu, Rainer Goerth, Manfred Hofacker sowie Jürgen Heil. Zudem wurde Ralf Winter mit der DSB-Ehrennadel in Gold gewürdigt.
Den feierlichen Abschluss des Ehrungsmarathons bildeten die Auszeichnungen des Hessischen Schützenverbandes. Während die großen Hessischen Ehrenzeichen in Silber und Bronze bereits im Rahmen der vorangegangenen Gesamtvorstandssitzung verliehen worden waren, blieb die feierliche Bühne der Delegiertenversammlung der Vergabe der großen Hessischen Ehrenzeichen in Gold vorbehalten. Diese hohe Auszeichnung wurde an Björn Marz, Axel Jost, Kai Hüther, Dieter Waldeck, Nicole Lenz, Rainer Thiele, Rolf Wende, Werner Ast, Markus Reitz, Antje Dörr, Holger Föhre, Reinhold Löffler, Thomas Weitzel, Hans-Walter Pnischeck, Thomas Petri, Anne-Maren Horn, Peter Zerbock, Heiko Friedrich, Georg Weiss, Manfred Forster und Helmut Günther überreicht. Damit endete ein Programmpunkt, der eindrucksvoll die personelle Kontinuität und die Leidenschaft widerspiegelte, die das hessische Schützenwesen seit 75 Jahren tragen.
Eine verdiente Würdigung für die Stimme des Verbandes
Ein ganz besonderer Moment der Anerkennung, markierte die Ernennung eines neuen Ehrenmitglieds. Nachdem er kurz zuvor bereits mit der Goldenen Medaille am grünen Band des Deutschen Schützenbundes ausgezeichnet worden war, rechnete der langjährige Pressereferent des Hessischen Schützenverbandes, Werner Wabnitz, offensichtlich nicht mit einer weiteren Steigerung der Ehrungen. Als Präsidentin Tanja Frank ihn zum Abschluss des Ehrungsblocks erneut auf die Bühne bat, dauerte es sichtlich einige Sekunden, bis Wabnitz realisierte, dass ihm eine der höchsten Auszeichnungen des Verbandes zuteilwerden sollte. Die Überraschung war dem Mann, der sonst meist hinter der Kamera oder am Notizblock steht, deutlich anzumerken.
Werner Wabnitz blickt auf eine beeindruckende Vita im hessischen Schützenwesen zurück. Bereits seit 1964 ist er Mitglied und begann seine sportliche Laufbahn bei der Privilegierten Schützengesellschaft Groß-Gerau. Schon in den 1980er Jahren verschrieb er sich der ehrenamtlichen Pressearbeit, zunächst in seinem Heimatverein und später auf Ebene des Schützenkreises. Über seine Tätigkeit als Bezirkspressereferent des Schützenbezirks 36 Rhein-Main-Modau führte ihn sein Weg schließlich in das Landespräsidium, wo er seit 2015 das Amt des Pressereferenten des Hessischen Schützenverbandes innehatte. In dieser Funktion prägte er über ein Jahrzehnt maßgeblich die Außendarstellung des Verbandes und des Sportschießens in ganz Hessen. Sichtbar gerührt dankte Wabnitz dem Präsidium und den Delegierten für diese unerwartete Ehre, die sein Lebenswerk im Dienste des Schützenwesens würdigt.
Landesvater würdigt „Herz, Heimat und Haltung“
Der feierliche Reigen der Ehrungen erfuhr eine prominente Unterbrechung, als der hessische Ministerpräsident Boris Rhein den Christian-Wirth-Saal betrat. Trotz eines engen Terminkalenders ließ es sich der Regierungschef nicht nehmen, dem Jubiläums-Schützentag persönlich beizuwohnen. In seiner Ansprache fand Rhein deutliche Worte der Wertschätzung für die gesellschaftliche Bedeutung der Schützenvereine. Die Hessischen Schützenvereine stünden für Herz, Heimat und Haltung, betonte der Ministerpräsident und führte weiter aus, dass diese Vereine nicht nur Dorf und Stadt verbinden, sondern das gesamte Land zusammenhalten würden. Wegen ihrer Kameradschaft und der Begeisterung für den Sport seien sie besonders wertvoll und prägend für die Gemeinschaft.
Mit Blick auf das 75-jährige Bestehen des Schützenverbandes schlug Boris Rhein den Bogen zur Landesgeschichte. 75 Jahre Hessischer Schützenverband seien mehr als nur ein Jubiläum, es sei ein Stück gelebte Geschichte Hessens. Seit der Gründung im Jahr 1951 hätten die Mitglieder zahlreiche sportliche Höhepunkte bei Welt- und Europameisterschaften sowie Olympischen Spielen erlebt und bedeutende Titel gesammelt. Damit seien die Schützinnen und Schützen wichtige Botschafter des Sports für das Land. Zudem betonte er, dass der Verband beispielhaft für die Verbindung von Tradition und Fortschritt sowie für Werte wie Verlässlichkeit, Respekt und Fairness stehe.
Hessen als verlässlicher Partner des Schießsports
Neben der ideellen Anerkennung unterstrich der Ministerpräsident auch die tatkräftige Unterstützung durch das Land Hessen. Er dankte allen Aktiven für ihren vorbildlichen Einsatz und stellte klar, dass das Vereinsleben ohne die zahlreichen Ehrenamtlichen und deren wichtigen Beitrag für die Gemeinschaft nicht denkbar wäre. Dieses Engagement müsse man sehen, achten und konsequent unterstützen. Deshalb verstehe sich Hessen auch als Finanzierer des Schießsports. Als konkretes Beispiel nannte Rhein die Förderung des Bundesstützpunktes Wiesbaden/Frankfurt mit rund 2,4 Millionen Euro. Dieses nationale Trainingszentrum setze weltweit Maßstäbe und sichere die Spitzenposition des hessischen Schießsports.
Zum Abschluss seines Besuchs folgte ein zeremonieller Akt von bleibendem Wert für die Stadt Usingen. Ministerpräsident Boris Rhein trug sich gemeinsam mit DSB-Präsident Hans-Heinrich von Schönfels, HSV-Präsidentin Tanja Frank und dem Usinger Bürgermeister Steffen Wernard in das Goldene Buch der Stadt ein. Auch HSV-Ehrenpräsident Klaus Seeger, der Vorsitzende des SV Usingen Niklas Schnieders und Bezirksschützenmeister Jens Krüger verewigten sich in dem Dokument, was den historischen Charakter dieses 75. Hessischen Schützentages in der Buchfinkenstadt unterstrich.
75 Jahre Geschichte in Wort und Bild
Ein besonderer Höhepunkt der Versammlung markierte die Präsentation der neu erschienenen Chronik des Hessischen Schützenverbandes, die durch die Laudationes der beiden HSV-Ehrenpräsidenten Klaus Seeger und Hans-Heinrich von Schönfels eingeleitet wurde. In seiner Ansprache unterstrich Klaus Seeger, dass der größte Schatz des Schützenwesens die uneigennützige Bereitschaft der Ehrenamtlichen sei, sich in den Dienst der Sache zu stellen. Seeger betonte zudem die Notwendigkeit, den Entscheidungsgremien des Verbandes – namentlich dem Gesamtvorstand und der Delegiertenversammlung – wieder jenes Gewicht zu verleihen, das ihnen statutengemäß gebühre. Mit Blick auf die mediale Berichterstattung der letzten Wochen äußerte er sich erfreut darüber, dass das Sportschießen und das Schützenwesen wieder vermehrt positive Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit erfahren, was in der Vergangenheit keineswegs selbstverständlich gewesen sei.
Hans-Heinrich von Schönfels würdigte in seinen Worten vor allem das Engagement der jüngeren Generation. Er ermutigte die Jugend, eigene Wege zu gehen, riet jedoch gleichzeitig dazu, die Erfahrung der Älteren nicht ungenutzt zu lassen. Mit einem Schmunzeln gab er den Nachwuchstalenten mit auf den Weg: „Die Fragen, die ihr euch heute stellt, hatten wir früher auch!“
Im Anschluss erläuterte der langjährige Pressereferent Werner Wabnitz den Entstehungsprozess des umfangreichen Werkes. Nachdem die letzte Chronik aus dem Jahr 1991 stammte und somit bereits über 30 Jahre alt war, wurde der Entschluss zur Neufassung im Jahr 2022 gefasst. Wabnitz dankte in diesem Zusammenhang seinem Vorgänger Herbert Vökel, auf dessen umfangreiches Archiv er zurückgreifen konnte, sowie dem Werbegrafiker und erfolgreichen Vorderladerschützen Alexander Schösser, der die visuelle Gestaltung maßgeblich begleitete.
Um die in der Chronik dokumentierte sportliche Exzellenz lebendig werden zu lassen, übernahm Axel Schell, die bekannte Stimme der Schützen-Bundesliga, die Moderation einer hochkarätig besetzten Gesprächsrunde. Er begrüßte mit Jürgen Hartmann, Manuela Schmermund, Carmen Giese und Walter Masing vier Ausnahmesportler auf der Bühne, die stellvertretend für die Erfolgsgeschichte des hessischen Schießsports stehen. Das Quartett gewährte tiefere Einblicke in ihre Karrieren, die sie von den heimischen Landesmeisterschaften bis hin zu Weltmeisterschaften sowie Olympischen und Paralympischen Spielen geführt hatten. Besonders eindringlich war der Appell der Para-Sportlerin Manuela Schmermund, die die anwesenden Funktionäre dazu aufrief, den Dialog mit Para-Sportlern zu suchen und stets ein offenes Ohr für deren spezifische Anliegen zu haben. Mit dem feierlichen Ausmarsch der Fahnenträger und dem gemeinsamen Singen der Nationalhymne fand der festliche Teil der Versammlung schließlich seinen würdigen Abschluss.
Konstruktive Weichenstellungen im geschäftlichen Teil
Der anschließende geschäftliche Teil der Delegiertenversammlung zeichnete sich durch eine sachliche und effiziente Arbeitsweise aus, da in diesem Jahr keine kontroversen Grundsatzbeschlüsse auf der Tagesordnung standen. In ihrem Bericht zog Präsidentin Tanja Frank eine positive Bilanz der Verbandsarbeit und verwies insbesondere auf die erfolgreiche Weiterentwicklung des Projektes „Schützen im Dialog“. Durch die Schaffung einer aus Landesmitteln finanzierten Stelle für die Projektleitung konnten bereits zahlreiche neue Veranstaltungsformate realisiert werden, weitere befinden sich in der aktiven Planung. Eine personelle Zäsur kündigte unterdessen Landessportleiter Otmar Martin an, der die Delegierten darüber informierte, dass er im kommenden Jahr nicht erneut für sein Amt kandidieren werde.
Ein erfreuliches Bild zeichnete die Schützenjugend. Jugendsprecherin Marie Brohm berichtete, dass der Jugendvorstand nach längerer Zeit wieder vollständig besetzt sei, nachdem beim jüngsten Jugendtag auch die vakante Position der Jugendpressewartin erfolgreich neu vergeben werden konnte. Inhaltlich setzt die Jugend klare Schwerpunkte, insbesondere im Bereich der Prävention gegen sexualisierte Gewalt. Brohm unterstrich die Dringlichkeit dieses Themas sowohl auf Landes- als auch auf Bundesebene und betonte mit Nachdruck: „Es reicht nicht, nichts zu tun und zu hoffen, es wird schon nichts passieren.“ Der Jugendvorstand habe hierzu bereits mehrere konkrete Projekte initiiert.
Den formalen Abschluss der Berichterstattung bildete der Prüfbericht der Rechnungsprüfer, vorgetragen durch Heiko Dörr. Dieser attestierte dem Verband eine insgesamt positive Prüfung der Bilanz und des Jahresabschlusses. Eine kleinere Beanstandung im Vorfeld konnte laut Dörr bereits im laufenden Prozess problemlos korrigiert werden. Auch im Namen seines Rechnungsprüfer-Kollegen Dr. Thomas Eberwein stellte er folgerichtig den Antrag auf Entlastung des Präsidiums für das Geschäftsjahr 2025, dem die Delegierten einstimmig zustimmten. Auch der Haushaltsplan für das kommende Jahr passierte die Versammlung bei lediglich einer Gegenstimme.
Präsidentin Tanja Frank beendete die Versammlung sichtlich zufrieden und verabschiedete die Schützenfamilie mit dem Hinweis auf das kommende Jahr, wenn der Hessische Schützenverband vom 9. bis 11. April 2027 in Bürstadt zusammenkommen wird.
75. Hessischer Schützentag - Delegiertenversammlung - Ein Jubiläum im Zeichen von Tradition und Zukunft
Traditioneller Auftakt und feierliches Gedenken
Pünktlich um 09:30 Uhr eröffnete Präsidentin Tanja Frank die Versammlung und hieß die Delegierten sowie die zahlreich erschienenen Ehrengäste willkommen. Der Auftakt stand ganz im Zeichen der Tradition: Unter den Klängen der Schützenkapelle Finsternthal-Hunoldstal erfolgte der festliche Fahneneinmarsch, der die Verbundenheit der einzelnen Vereine mit dem Landesverband optisch eindrucksvoll untermauerte. Ein Moment des Innehaltens folgte bei der anschließenden Totenehrung. Während die Kapelle das Lied vom guten Kameraden intonierte, gedachten die Anwesenden der verstorbenen Mitglieder.
Politische Wertschätzung und kommunale Gastfreundschaft
In seinem Grußwort hob der Usinger Bürgermeister Steffen Wernard die Bedeutung des Schützenwesens für die Region hervor. Er dankte den Verantwortlichen des Hessischen Schützenverbandes ausdrücklich für das entgegengebrachte Vertrauen, den Hessischen Schützentag bereits zum vierten Mal in der mittelgroßen Stadt Usingen auszurichten. Wernard betonte, dass eine Veranstaltung dieser Größenordnung nur durch das unermüdliche Engagement der Ehrenamtlichen in den Vereinen realisierbar sei. Für ihn persönlich markierte dieser Tag auch das Erreichen eines wichtigen Ziels seiner Amtszeit, wobei er den Blick bereits nach vorne richtete, und den Wunsch äußerte, künftig auch den Hessentag nach Usingen zu holen.
Die Grüße der hessischen Landesregierung überbrachte Professor Dr. Jan Hilligardt, Regierungspräsident von Darmstadt. Er unterstrich das Interesse des Landes an einem funktionierenden Schützenwesen und erklärte: „Wir sind daran interessiert, dass sie ihren Sport und ihr Hobby gut und sicher ausüben können.“ Hilligardt verwies in diesem Zusammenhang auf die Rolle der Verwaltungsbehörden als Genehmigungs- und Kontrollinstanzen für das Waffenrecht und betonte, dass man an einer konstruktiven und positiven Zusammenarbeit mit den Vereinen interessiert sei. Mit Vorfreude blickte er zudem auf die kommenden Jahre, da der Hessische Schützentag auch 2027 im Regierungsbezirk Darmstadt, dann in Bürstadt im Hessischen Ried, zu Gast sein wird.
Historische Wurzeln und tatkräftige Nachwuchsförderung
Hans-Heinrich von Schönfels, der in der Doppelfunktion als Präsident des Deutschen Schützenbundes (DSB) und Ehrenpräsident des Hessischen Schützenverbandes sprach, erinnerte an die tiefe historische Verwurzelung des hessischen Schießsports auf Bundesebene. Er stellte fest, dass das deutsche Sportschießen dem hessischen Verband viel zu verdanken habe. So sei mit Paul Wehner bereits der erste DSB-Präsident ein Hesse gewesen, und Hessen habe als erster Landesverband ein modernes Landesleistungszentrum etabliert. Auch der heutige Sitz des DSB am Olympiastützpunkt Wiesbaden/Frankfurt am Main gehe auf die Initiative des Hessen Georg von Opel zurück, der den Verband von 1957 bis 1971 führte. Um die Zukunft des Sports zu sichern, übergab von Schönfels ein Luftgewehr, einen Bogen sowie einen Gutschein für Schießsportbekleidung der Firma Sauer an den Landesjugendleiter Stefan Rinke, der sich für diese großzügige Unterstützung der Nachwuchsarbeit bedankte.
Sportvereine als Ankerpunkte der Gesellschaft
Die Präsidentin des Landessportbundes Hessen, Juliane Kuhlmann, rückte die gesellschaftliche Relevanz der Vereine in den Fokus ihrer Ansprache. Sie betonte die stabilisierende Funktion des Sports in herausfordernden Zeiten: „Die aktuellen Krisen wirken bis in unsere Vereine hinein. Gerade in dieser Zeit sind Orte wichtig, die Verlässlichkeit vermitteln. Solche Orte sind unsere Sportvereine.“ Kuhlmann konnte berichten, dass der organisierte Sport in Hessen im vierten Jahr in Folge ein Wachstum verzeichne, wofür der Hessische Schützenverband ein hervorragendes Beispiel sei. Dieser Erfolg basiere maßgeblich auf der engagierten Jugend- und Nachwuchsarbeit in den Vereinen, die fast ausschließlich ehrenamtlich geleistet werde. Damit diese Arbeit auch in Zukunft auf solidem Fundament stehe, forderte sie intakte und moderne Sportstätten und ermutigte die Vereine, Fördermittel aus dem Sondervermögen des Bundes für Sanierungen und Erweiterungen zu beantragen.
Abschließend überbrachte Maik Hollmann die Grüße der Schießsport-Landesverbände und schlug den Bogen zur gesamtgesellschaftlichen Bedeutung des Schützenwesens. Er definierte die drei Säulen, auf denen die Gesellschaft in Deutschland ruhe: Demokratie, Gemeinschaft und das Ehrenamt. All diese Werte würden durch die Schützenvereine repräsentiert und gelebt. Mit den besten Wünschen für das 75-jährige Jubiläum und den weiteren Verlauf des Schützentages leitete er zum nächsten Programmpunkt über.
Würdigung des Ehrenamtes und symbolische Staffelübergabe
Im direkten Anschluss an die feierlichen Grußworte rückte Präsidentin Tanja Frank das Fundament des Verbandes in den Mittelpunkt: das ehrenamtliche Engagement vor Ort. Sie bat Jens Krüger, den Bezirksschützenmeister des Schützenbezirks Hochtaunus, sowie Niklas Schnieders, den Vorsitzenden des Schützenvereins Usingen, auf die Bühne des Christian-Wirth-Saals. Stellvertretend für die zahlreichen Helferinnen und Helfer im Hintergrund dankte die Präsidentin den beiden für ihren unermüdlichen Einsatz, der die Ausrichtung dieses Jubiläums-Schützentages erst ermöglicht hatte. Frank betonte in ihrer Laudatio, dass eine Veranstaltung dieser Größenordnung ohne die vielen fleißigen Hände und die organisatorische Vorarbeit im Bezirk und im gastgebenden Verein nicht denkbar wäre. Als sichtbares Zeichen der Anerkennung und des Dankes seitens des Landesverbandes überreichte sie Krüger und Schnieders die Präsidentinnen-Medaille des Hessischen Schützenverbandes.
Nach dieser Ehrung der lokalen Organisatoren folgte ein symbolträchtiger Moment, der den Blick bereits auf die Zukunft richtete. Der Usinger Bürgermeister Steffen Wernard übergab offiziell eine Fahne des Hessischen Schützenverbandes an seinen Amtskollegen Boris Wenz aus Bürstadt. Damit wurde die Gastgeberschaft für das kommende Jahr förmlich besiegelt. Boris Wenz nutzte die Gelegenheit, um im Namen der südhessischen Stadt Bürstadt eine herzliche Einladung zum 76. Hessischen Schützentag 2027 auszusprechen, der im Hessischen Ried stattfinden wird. Er sprach dem Präsidium des Verbandes seinen Dank für das entgegengebrachte Vertrauen aus und hob zudem die Bedeutung des Pfeil- und Bogenclubs Bürstadt hervor, der maßgeblich an der Ausrichtung beteiligt sein wird. Mit den Worten: „Kommen Sie nach Bürstadt, erleben Sie unsere herzliche Gastfreundschaft. Wir freuen uns auf Sie!“, unterstrich er die Vorfreude seiner Heimatstadt auf das kommende Großereignis.
Hochrangige Auszeichnungen für langjährige Verdienste
Der festliche Rahmen der Delegiertenversammlung bildete im weiteren Verlauf die Bühne für insgesamt rund 70 Ehrungen verdienter Persönlichkeiten des Schützenwesens. Den Auftakt machten Tanja Frank und die Präsidentin des Landessportbundes Hessen (LSBH), Juliane Kuhlmann, mit den Auszeichnungen des Dachverbandes. Als höchste Würdigung des LSBH wurde die Ehrennadel in Bronze an Hartmut Guckes und Norbert Baumann verliehen. Weiterhin erhielten Monika Vöhl, Michael Kratz und Marina May die Verdienstnadel des Landessportbundes, während Birgit Alberding und Michael Prokisch mit der Ehrenurkunde gewürdigt wurden.
Im Bereich der Auszeichnungen durch den Deutschen Schützenbund (DSB) stellte die Verleihung des Ehrenkreuzes in Gold der Sonderstufe einen besonderen Höhepunkt dar. Diese prestigeträchtige Auszeichnung ging an Dr. Bernd Arno Nikolaus, den Bezirksschützenmeister des Schützenbezirks 36 Rhein-Main-Modau. Ebenfalls geehrt wurde Birgit Sczeburek, Bezirksschützenmeisterin des Bezirks 30 Main-Kinzig, die das Ehrenkreuz des DSB in Gold entgegennehmen durfte. Die goldene Medaille am grünen Band des Deutschen Schützenbundes, eine Auszeichnung für besondere Verdienste um die Förderung des Schießsports, erhielten Klaus-Jürgen Hensel, Frank Hochberger, Werner Wabnitz, Markus Weber, Thomas Scholl und Frank Sczeburek.
Breite Anerkennung über alle Verbandsebenen
Die Riege der DSB-Ehrungen setzte sich mit dem Ehrenkreuz in Silber fort. Hiermit wurden Wolfgang Fromm, Andre Weigel, Marina May, Konrad Hackel, Gerhard Homrighausen, Herbert Scholl, Bernd Lenz, Wolfgang Benndorff, Mario Hartmann, Gerd Seyler, Willy Seyler und Klaus-Peter Wichelmann für ihr langjähriges Wirken ausgezeichnet. Das DSB Ehrenkreuz in Bronze erhielten Helmut Lind, Thomas Reinbold, Karsten Meiser, Manfred Zemke, Frank Döhring, Sebastian Dänner, Stefan Kopytto, Edgar Hohmann, Ralf Ruth, Ralph Siegel, Ditmar Radu, Rainer Goerth, Manfred Hofacker sowie Jürgen Heil. Zudem wurde Ralf Winter mit der DSB-Ehrennadel in Gold gewürdigt.
Den feierlichen Abschluss des Ehrungsmarathons bildeten die Auszeichnungen des Hessischen Schützenverbandes. Während die großen Hessischen Ehrenzeichen in Silber und Bronze bereits im Rahmen der vorangegangenen Gesamtvorstandssitzung verliehen worden waren, blieb die feierliche Bühne der Delegiertenversammlung der Vergabe der großen Hessischen Ehrenzeichen in Gold vorbehalten. Diese hohe Auszeichnung wurde an Björn Marz, Axel Jost, Kai Hüther, Dieter Waldeck, Nicole Lenz, Rainer Thiele, Rolf Wende, Werner Ast, Markus Reitz, Antje Dörr, Holger Föhre, Reinhold Löffler, Thomas Weitzel, Hans-Walter Pnischeck, Thomas Petri, Anne-Maren Horn, Peter Zerbock, Heiko Friedrich, Georg Weiss, Manfred Forster und Helmut Günther überreicht. Damit endete ein Programmpunkt, der eindrucksvoll die personelle Kontinuität und die Leidenschaft widerspiegelte, die das hessische Schützenwesen seit 75 Jahren tragen.
Eine verdiente Würdigung für die Stimme des Verbandes
Ein ganz besonderer Moment der Anerkennung, markierte die Ernennung eines neuen Ehrenmitglieds. Nachdem er kurz zuvor bereits mit der Goldenen Medaille am grünen Band des Deutschen Schützenbundes ausgezeichnet worden war, rechnete der langjährige Pressereferent des Hessischen Schützenverbandes, Werner Wabnitz, offensichtlich nicht mit einer weiteren Steigerung der Ehrungen. Als Präsidentin Tanja Frank ihn zum Abschluss des Ehrungsblocks erneut auf die Bühne bat, dauerte es sichtlich einige Sekunden, bis Wabnitz realisierte, dass ihm eine der höchsten Auszeichnungen des Verbandes zuteilwerden sollte. Die Überraschung war dem Mann, der sonst meist hinter der Kamera oder am Notizblock steht, deutlich anzumerken.
Werner Wabnitz blickt auf eine beeindruckende Vita im hessischen Schützenwesen zurück. Bereits seit 1964 ist er Mitglied und begann seine sportliche Laufbahn bei der Privilegierten Schützengesellschaft Groß-Gerau. Schon in den 1980er Jahren verschrieb er sich der ehrenamtlichen Pressearbeit, zunächst in seinem Heimatverein und später auf Ebene des Schützenkreises. Über seine Tätigkeit als Bezirkspressereferent des Schützenbezirks 36 Rhein-Main-Modau führte ihn sein Weg schließlich in das Landespräsidium, wo er seit 2015 das Amt des Pressereferenten des Hessischen Schützenverbandes innehatte. In dieser Funktion prägte er über ein Jahrzehnt maßgeblich die Außendarstellung des Verbandes und des Sportschießens in ganz Hessen. Sichtbar gerührt dankte Wabnitz dem Präsidium und den Delegierten für diese unerwartete Ehre, die sein Lebenswerk im Dienste des Schützenwesens würdigt.
Landesvater würdigt „Herz, Heimat und Haltung“
Der feierliche Reigen der Ehrungen erfuhr eine prominente Unterbrechung, als der hessische Ministerpräsident Boris Rhein den Christian-Wirth-Saal betrat. Trotz eines engen Terminkalenders ließ es sich der Regierungschef nicht nehmen, dem Jubiläums-Schützentag persönlich beizuwohnen. In seiner Ansprache fand Rhein deutliche Worte der Wertschätzung für die gesellschaftliche Bedeutung der Schützenvereine. Die Hessischen Schützenvereine stünden für Herz, Heimat und Haltung, betonte der Ministerpräsident und führte weiter aus, dass diese Vereine nicht nur Dorf und Stadt verbinden, sondern das gesamte Land zusammenhalten würden. Wegen ihrer Kameradschaft und der Begeisterung für den Sport seien sie besonders wertvoll und prägend für die Gemeinschaft.
Mit Blick auf das 75-jährige Bestehen des Schützenverbandes schlug Boris Rhein den Bogen zur Landesgeschichte. 75 Jahre Hessischer Schützenverband seien mehr als nur ein Jubiläum, es sei ein Stück gelebte Geschichte Hessens. Seit der Gründung im Jahr 1951 hätten die Mitglieder zahlreiche sportliche Höhepunkte bei Welt- und Europameisterschaften sowie Olympischen Spielen erlebt und bedeutende Titel gesammelt. Damit seien die Schützinnen und Schützen wichtige Botschafter des Sports für das Land. Zudem betonte er, dass der Verband beispielhaft für die Verbindung von Tradition und Fortschritt sowie für Werte wie Verlässlichkeit, Respekt und Fairness stehe.
Hessen als verlässlicher Partner des Schießsports
Neben der ideellen Anerkennung unterstrich der Ministerpräsident auch die tatkräftige Unterstützung durch das Land Hessen. Er dankte allen Aktiven für ihren vorbildlichen Einsatz und stellte klar, dass das Vereinsleben ohne die zahlreichen Ehrenamtlichen und deren wichtigen Beitrag für die Gemeinschaft nicht denkbar wäre. Dieses Engagement müsse man sehen, achten und konsequent unterstützen. Deshalb verstehe sich Hessen auch als Finanzierer des Schießsports. Als konkretes Beispiel nannte Rhein die Förderung des Bundesstützpunktes Wiesbaden/Frankfurt mit rund 2,4 Millionen Euro. Dieses nationale Trainingszentrum setze weltweit Maßstäbe und sichere die Spitzenposition des hessischen Schießsports.
Zum Abschluss seines Besuchs folgte ein zeremonieller Akt von bleibendem Wert für die Stadt Usingen. Ministerpräsident Boris Rhein trug sich gemeinsam mit DSB-Präsident Hans-Heinrich von Schönfels, HSV-Präsidentin Tanja Frank und dem Usinger Bürgermeister Steffen Wernard in das Goldene Buch der Stadt ein. Auch HSV-Ehrenpräsident Klaus Seeger, der Vorsitzende des SV Usingen Niklas Schnieders und Bezirksschützenmeister Jens Krüger verewigten sich in dem Dokument, was den historischen Charakter dieses 75. Hessischen Schützentages in der Buchfinkenstadt unterstrich.
75 Jahre Geschichte in Wort und Bild
Ein besonderer Höhepunkt der Versammlung markierte die Präsentation der neu erschienenen Chronik des Hessischen Schützenverbandes, die durch die Laudationes der beiden HSV-Ehrenpräsidenten Klaus Seeger und Hans-Heinrich von Schönfels eingeleitet wurde. In seiner Ansprache unterstrich Klaus Seeger, dass der größte Schatz des Schützenwesens die uneigennützige Bereitschaft der Ehrenamtlichen sei, sich in den Dienst der Sache zu stellen. Seeger betonte zudem die Notwendigkeit, den Entscheidungsgremien des Verbandes – namentlich dem Gesamtvorstand und der Delegiertenversammlung – wieder jenes Gewicht zu verleihen, das ihnen statutengemäß gebühre. Mit Blick auf die mediale Berichterstattung der letzten Wochen äußerte er sich erfreut darüber, dass das Sportschießen und das Schützenwesen wieder vermehrt positive Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit erfahren, was in der Vergangenheit keineswegs selbstverständlich gewesen sei.
Hans-Heinrich von Schönfels würdigte in seinen Worten vor allem das Engagement der jüngeren Generation. Er ermutigte die Jugend, eigene Wege zu gehen, riet jedoch gleichzeitig dazu, die Erfahrung der Älteren nicht ungenutzt zu lassen. Mit einem Schmunzeln gab er den Nachwuchstalenten mit auf den Weg: „Die Fragen, die ihr euch heute stellt, hatten wir früher auch!“
Im Anschluss erläuterte der langjährige Pressereferent Werner Wabnitz den Entstehungsprozess des umfangreichen Werkes. Nachdem die letzte Chronik aus dem Jahr 1991 stammte und somit bereits über 30 Jahre alt war, wurde der Entschluss zur Neufassung im Jahr 2022 gefasst. Wabnitz dankte in diesem Zusammenhang seinem Vorgänger Herbert Vökel, auf dessen umfangreiches Archiv er zurückgreifen konnte, sowie dem Werbegrafiker und erfolgreichen Vorderladerschützen Alexander Schösser, der die visuelle Gestaltung maßgeblich begleitete.
Um die in der Chronik dokumentierte sportliche Exzellenz lebendig werden zu lassen, übernahm Axel Schell, die bekannte Stimme der Schützen-Bundesliga, die Moderation einer hochkarätig besetzten Gesprächsrunde. Er begrüßte mit Jürgen Hartmann, Manuela Schmermund, Carmen Giese und Walter Masing vier Ausnahmesportler auf der Bühne, die stellvertretend für die Erfolgsgeschichte des hessischen Schießsports stehen. Das Quartett gewährte tiefere Einblicke in ihre Karrieren, die sie von den heimischen Landesmeisterschaften bis hin zu Weltmeisterschaften sowie Olympischen und Paralympischen Spielen geführt hatten. Besonders eindringlich war der Appell der Para-Sportlerin Manuela Schmermund, die die anwesenden Funktionäre dazu aufrief, den Dialog mit Para-Sportlern zu suchen und stets ein offenes Ohr für deren spezifische Anliegen zu haben. Mit dem feierlichen Ausmarsch der Fahnenträger und dem gemeinsamen Singen der Nationalhymne fand der festliche Teil der Versammlung schließlich seinen würdigen Abschluss.
Konstruktive Weichenstellungen im geschäftlichen Teil
Der anschließende geschäftliche Teil der Delegiertenversammlung zeichnete sich durch eine sachliche und effiziente Arbeitsweise aus, da in diesem Jahr keine kontroversen Grundsatzbeschlüsse auf der Tagesordnung standen. In ihrem Bericht zog Präsidentin Tanja Frank eine positive Bilanz der Verbandsarbeit und verwies insbesondere auf die erfolgreiche Weiterentwicklung des Projektes „Schützen im Dialog“. Durch die Schaffung einer aus Landesmitteln finanzierten Stelle für die Projektleitung konnten bereits zahlreiche neue Veranstaltungsformate realisiert werden, weitere befinden sich in der aktiven Planung. Eine personelle Zäsur kündigte unterdessen Landessportleiter Otmar Martin an, der die Delegierten darüber informierte, dass er im kommenden Jahr nicht erneut für sein Amt kandidieren werde.
Ein erfreuliches Bild zeichnete die Schützenjugend. Jugendsprecherin Marie Brohm berichtete, dass der Jugendvorstand nach längerer Zeit wieder vollständig besetzt sei, nachdem beim jüngsten Jugendtag auch die vakante Position der Jugendpressewartin erfolgreich neu vergeben werden konnte. Inhaltlich setzt die Jugend klare Schwerpunkte, insbesondere im Bereich der Prävention gegen sexualisierte Gewalt. Brohm unterstrich die Dringlichkeit dieses Themas sowohl auf Landes- als auch auf Bundesebene und betonte mit Nachdruck: „Es reicht nicht, nichts zu tun und zu hoffen, es wird schon nichts passieren.“ Der Jugendvorstand habe hierzu bereits mehrere konkrete Projekte initiiert.
Den formalen Abschluss der Berichterstattung bildete der Prüfbericht der Rechnungsprüfer, vorgetragen durch Heiko Dörr. Dieser attestierte dem Verband eine insgesamt positive Prüfung der Bilanz und des Jahresabschlusses. Eine kleinere Beanstandung im Vorfeld konnte laut Dörr bereits im laufenden Prozess problemlos korrigiert werden. Auch im Namen seines Rechnungsprüfer-Kollegen Dr. Thomas Eberwein stellte er folgerichtig den Antrag auf Entlastung des Präsidiums für das Geschäftsjahr 2025, dem die Delegierten einstimmig zustimmten. Auch der Haushaltsplan für das kommende Jahr passierte die Versammlung bei lediglich einer Gegenstimme.
Präsidentin Tanja Frank beendete die Versammlung sichtlich zufrieden und verabschiedete die Schützenfamilie mit dem Hinweis auf das kommende Jahr, wenn der Hessische Schützenverband vom 9. bis 11. April 2027 in Bürstadt zusammenkommen wird.












